Missgeschick mit Folgen

Manchmal spielt das Leben einem seltsame Streiche. Meinen jetzigen Mann habe ich vor einigen Jahren durch einen dummen und durchaus peinlichen Zufall kennengelernt. Ich hatte damals eine Affäre. Weil ich sicher sein wollte, dass sie nicht entdeckt wird, habe ich die Telefonnummer meines Affären Partners nicht in meinem Smartphone gespeichert, sondern mir stattdessen gemerkt. Ich musste sie also jedes einzelne Mal manuell eintippen. Eines Abends saß ich leicht angetrunken zu Hause auf dem Sofa und war gelangweilt. Mein damaliger Ehemann war – wie üblich – mit seinen Kumpels unterwegs. Aus unserer Ehe war längst die Luft raus, aber keiner von uns wagte zu diesem Zeitpunkt den letzten Schritt. Ich saß also leicht berauscht und auch leicht geil und gleichzeitig angeödet auf dem Sofa und zappte durch die Fernsehkanäle. Alles Schrott. Da kam mir spontan die Idee, meiner Affäre eine versaute Kurznachricht zu schicken. So was taten wir öfter und es endete nicht selten in Handytelefonsex.

An diesem schicksalsträchtigen Abend jedoch passierte mir (vermutlich aufgrund des Alkohols) ein kleines, aber folgenschweres Missgeschick. Ich schrieb eine ziemlich obszöne Kurznachricht und tippte die Telefonnummer meiner Affäre ein. Dann verschickte ich sie. Als ich sie noch mal durchlas und mich diebisch über meine eigene Versautheit freute, fiel mir plötzlich auf, dass ich einen Zahlendreher in der Nummer hatte. Oh mein Gott, dachte ich, hoffentlich gehört diese Handynummer niemandem!

Doch. Sie gehörte jemandem. Ich erhielt eine Antwort von eben genau dieser Nummer, wodurch ich leicht in Panik geriet. Die ganze Situation war mir hochnotpeinlich. Sollte ich die Nachricht ungelesen löschen und so tun, als wäre nichts passiert? Oder sollte ich mich entschuldigen? Gleichzeitig war ich auch neugierig, was der unbekannte Empfänger wohl geantwortet hatte. Ich war hin- und hergerissen.

Schließlich obsiegte die Neugierde und ich entschied, die Nachricht zu lesen. Ich spürte, wie mir ganz warm wurde, während ich das Smartphone in der Hand hielt und den Finger zum Display führte. Dann tippte ich die App für Kurznachrichten an. Als ich die Antwort las, fühlte es sich an wie auf einer Achterbahn. Zuerst die Panik, während die Gondel nach oben gezogen wird, dann hebt sich einem beim Runtersausen der Magen und schließlich lacht man vor Erleichterung!

Ich konnte kaum glauben, was ich las. Die Antwort war nämlich weder wütend noch irritiert oder gar bösartig. Sie war vielmehr witzig und schlagfertig. So sehr, dass es mir in den Fingern kribbelte, der unbekannten Person zurückzuschreiben. Sollte ich? Sollte ich nicht?

Was soll’s, dachte ich, wer mir so eine Antwort schickt, legt es doch geradezu darauf an! Ich schrieb also zurück. Und er oder sie ebenfalls. Genauso witzig und schlagfertig. Nun war mein Ehrgeiz geweckt und gleichzeitig begann es in meinem Bauch zu kribbeln. Ich wusste zu dieser Zeit noch nicht, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte, aber ich wurde von der erotischen Intensität unserer Unterhaltung derart mitgerissen, dass es mir gleichgültig war. Ehrlich gesagt wollte ich es überhaupt nicht wissen. Es war viel spannender so.

Etwa eine halbe Stunde lang ging es hin und her, jede Antwort wurde frivoler, versauter, obszöner. Wir schaukelten uns gegenseitig auf. Ich war inzwischen hochgradig erregt. Mein Gegenüber vermutlich ebenso, auch wenn ich es nicht sicher wusste. Ich fummelte längst zwischen meinen Beinen rum und genoss die Vorstellung, dass die andere Person vermutlich gerade etwas Ähnliches tat. Wir hatten Handy Sex im wahrsten Sinne des Wortes. Ich war kurz davor, mein Smartphone als Vibrator zu missbrauchen. Also die Vibrationsfunktion für eingehende Kurznachrichten zu aktivieren und es mir zwischen die Beine zu klemmen, wenn ich nicht gerade schrieb. Daraus wurde nichts, denn eine vollkommen unerwartete Nachricht ließ mein Herz mit einem Mal schlagen wie ein Presslufthammer. Darin stand, dass er oder sie mich jetzt anrufe.

Ich war wieder ganz oben auf der Achterbahn. Mein Magen zog sich zusammen, ich hatte Panik und Vorfreude zugleich. Ich kann diesen Mix aus unterschiedlichen Gefühlen unmöglich beschreiben! Als ich noch darüber nachdachte, ob ich überhaupt drangehen sollte, klingelte es bereits. Ich hatte auf einmal schweißnasse Hände. Immerhin wusste ich nicht mal, ob am anderen Ende ein Mann oder eine Frau sein würde. Wenn man in der Achterbahn sitzt, ist es zu spät. Ist man erst mal nach oben gezogen worden, muss man sitzen bleiben bis zum Schluss. Aussteigen mittendrin geht nicht. Also nahm ich den Anruf an. Am anderen Ende erklang eine ungewöhnlich tiefe und zugleich hochsympathische Männerstimme. Ohne auch nur den Anflug von Schüchternheit setzte er dort fort, wo wir mit den Textnachrichten aufgehört hatten. Er sprach mit mir, als würden wir uns schon seit Jahren auf überaus intime Weise kennen. Das faszinierte mich nicht bloß, es riss mich regelrecht mit. Diese unvergleichliche Stimme gepaart mit Dirty Talk und meiner immer noch immensen Geilheit war eine hochexplosive Mischung. Ich konnte mich nicht dagegen wehren, selbst wenn ich es gewollt hätte. Es kam, wie es kommen musste.

Der Mann am anderen Ende, dessen Namen ich bis dahin nicht kannte, schien mit jedem Moment besser zu wissen, welche Knöpfe er bei mir drücken musste. Zielsicher steigerte er meine Erregung bis zum Punkt der Unerträglichkeit. Ich hatte so etwas noch nicht erlebt. Allein mit Worten konnte dieser Mann mehr anstellen als alle davor mit einem ganzen Arsenal an Sexspielzeugen. Ich geriet in Ekstase, eine Art sexuellen Rausch wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Gedanken an Peinlichkeit oder dergleichen verschwendete ich nicht mehr. Ich gab mich vielmehr vollkommen der Lust und seiner Kontrolle hin. Ich stöhnte hemmungslos und befolgte ohne Widerworte seine Anweisungen. Ich beantwortete ehrlich seine Fragen, egal wie intim. Ich war ihm willenlos ausgeliefert.

Als ich schließlich zum Orgasmus – nein, zu mehreren Orgasmen, zu einer ganzen Serie von Höhepunkten direkt hintereinander kam, war dies die intensivste Erfahrung meines bisherigen Lebens. Das Gefühl war unbeschreiblich. In etwa so, als hätte jemand mit in Tausende Einzelteile zerschlagen und wieder zusammengesetzt – aber auf eine gute Art. Die Geilheit überrollte mich wie die Welle eines Tsunami. Als sie sich zurückzog, kamen mir sogar die Tränen vor Erleichterung. Das war mir bei einem Höhepunkt noch nie passiert! Nachdem ich gekommen war, herrschte weitestgehend Stille zwischen uns. Ich versuchte, meinen Atem wieder unter Kontrolle zu bringen. Von ihm war nichts zu hören. Ich wagte allerdings auch nicht, ihn anzusprechen. Warum genau, weiß ich nicht. Vielleicht hatte ich Angst, diesen wertvollen Moment schönster und reinster Klarheit durch eine falsche Äußerung zu zerstören. Also schwieg ich lieber und wartete.\r\n\r\nSchließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, die er mich hatte zappen lassen, sagte er wieder etwas. Und zwar etwas, das genauso rotzfrech und schlagfertig war wie alles andere zuvor. Etwas wie ein Schlag ins Gesicht, der sich wie so vieles zuvor auf merkwürdige Weise zugleich demütigend, erregend, augenzwinkernd anfühlte.

Er sagte: „Mein Name ist Sven. Du hast meine Nummer.“ Dann legte er auf.“

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